Mythos Performancefee

Ist die Gewinnbeteiligung für das Management bei einem Fonds wirklich ein negativer Faktor für einen Anleger?

Im Rahmen einer Fondsausgestaltung ist wohl kaum ein Aspekt so umstritten und heiß diskutiert, wie das Thema Performancefee (Managementgewinnbeteiligung). Die Begründung ist schnell zur Hand. Performancefee ist eben eine zusätzliche Kostenkomponente, die das Fondsresultat des Anlegers schmälert. Die Befürworter der Performancefee führen dagegen stets an, dass diese Stellschraube für noch mehr Engagement, Sorgfalt, Risikokontrolle und Motivation beim verantwortlichen Fondsmanagement sorgt. Außerdem symbolisiere es die Interessengleichheit von Management und Investoren.

Schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit

Wenn mit Performancefee doch so viel Positives im Sinne des Anlegers beim Fondsmanagement ausgelöst werden kann, worauf begründet sich dann die nachhaltige Kritik im Markt? Dieser berechtigte Malus stammt noch aus den Anfängen des ergebnisbezogenen Partizipationsfaktors. Damals legten einige Fondshäuser (besonders viel Kritik erntete dabei die DWS) das Thema Performancefee so aus, dass bei jedwedem Ergebnis immer eine prozentuale Partizipation anfällt, wenn ein Vergleichsindex geschlagen wird. Zum besseren Verständnis hier ein Beispiel:

Nehmen wir an die Vergütungsformulierung lautete damals „10% Performancefee auf eine Überperformance gegenüber der hinterlegten Benchmark“. In einer Aktienbaisse weist die Benchmark nun ein Resultat von -25% aus. Der Fonds dagegen „nur“ einen Verlust von -20%. Nun war die damalige gewagte Logik der Fondshäuser, dass man ja die Benchmark um 5% „outperformed“ hat, und von diesem „Erfolg“ nun 10% Performancefee, also 0,5%, als Verdienst dem Management zustehen. Das Anlegerergebnis verschlechterte sich damit von -20% auf -20,5% über die Performancefee.

Es wird nicht überraschen, dass diese Art der Performancefee keine großen Freunde fand und mittlerweile von allen Aufsichtsbehörden verboten ist und zurecht der Vergangenheit angehört.

Sprung in die Neuzeit zu fairen Performancefeeregelungen

Heutzutage kann von solchen Verfehlungen der Vergangenheit keine Rede mehr sein. Im Gegenteil, alle Aufsichtsbehörden haben ganz klare Vorgaben für Performancefeeregelungen formuliert, damit diese wirklich im Interesse der Anleger aufgestellt sind. Dazu nachfolgend einige wichtige Erläuterungen von Begrifflichkeiten:

High-Water-Mark-Regelung:    Bedeutet, dass eine Performancefee überhaupt erst anfallen darf, wenn der Fonds seinen historischen Höchststand wieder erreicht und überschritten hat.

Hurdle-Rate: Bedeutet, dass bis zum Erreichen dieser Renditeschwelle der Ertrag zu 100% dem Anleger zusteht, und die Performancefee erst vom Mehrertrag oberhalb der Schwelle berechnet wird.

Beispiel: Hurdle-Rate liegt bei +5%. Hinterlegte Performancefee sind 10%. Fondsergebnis ist +10%. Dann stehen die ersten 5% voll dem Anleger zu. Von den weiteren 5% Ertrag gehen 10% als Performancefee an das Fondsmanagement (= 0,5%). Nettoergebnis des Fonds für den Anleger somit +9,5%.

Stichtagsbewertung: Zur Vereinfachung der Berechnung gilt häufig nicht jeder der 365 Tage im Jahr als performancefeerelevant, sondern ausschließlich ein jährlicher Vergleichsstichtag. Häufig der 31.12. eines Jahres.

Anrechnung von Dividenden bei ausschüttenden Fonds: Ein wichtiger Faktor bei ausschüttenden Fonds ist, dass jedwede Ertragsausschüttung aus einem Fonds (egal, ob monatlich, quartalsweise, halbjährlich oder jährlich) immer als Abschlag den Fondskurs nachhaltig reduziert. Daher müssen erfolgte Auszahlung bei der Stichtagsbewertung zur Performancefee immer wieder additiv hinzugezählt werden.

Beispiel: Wir betrachten einen ausschüttenden Fonds mit stichtagsbezogener Performancefeeregelung jährlich zum 31.12. und einer High-Water-Mark-Regelung, aber keiner Hurdlerate. Fondskurs per 31.12. des Vorjahres 100€. Eine Auszahlung im Mai des laufenden Jahres von 4€ ist erfolgt. Fondskurs per 31.12. des laufenden Jahres 98€. Additiv ist der Kurs per 31.12. des laufenden Jahres bei 102€ (98€ + 4€). Performancefee fiele also auf 2€ an.

Von der Theorie in die Praxis – reale Beispiele aus der Patriarch-Fondswelt

Wie weh tut nun der Performancefee-Renditeverlust dem Anleger in der Praxis wirklich, wenn denn eine Performancefee anfällt? Dazu schauen wir uns mal nachfolgend ausgewählte Patriarch-Fonds an.

Patriarch Classic TSI (WKN: HAFX6Q): Ein jährlich ausschüttender Fonds mit einer stichtagsbezogenen (31.12.) High-Water-Mark Performancefee von 10% oberhalb einer Hurdle-Rate von 3%.

Wie die Grafik erahnen lässt, lag der letzte historische Höchststand per Stichtag 31.12. für den TSI-Fonds mit einem Kurs von 23,39€ am Jahresende 2021. Erst zum Jahresende 2025 überschritt der TSI-Fonds diesen historisch relevanten Höchststand zum Stichtag mit einem Kurs von 24,39€. Dazu wurden die in den Jahren 2022 – 2025 abgeschlagenen Ausschüttungen (in Summe 8%) zusätzlich angerechnet und die Hurdle-Rate von den ersten 3% oberhalb des neuen Höchstkurses zu 100% für den Anleger berücksichtigt. Alles darüber war dagegen mit 10% performancefeerelevant. In Summe kostete dies den Anleger 0,96% netto, sodass sein Jahresergebnis 2025 nicht +15,96%, sondern +15% betrug. Ein sehr fairer Deal, wenn man bedenkt, dass das TSI-Management in den ebenfalls starken Jahren 2023 und 2024 (+13,66% und +18,71%) aufgrund des schwachen Jahres 2022 noch ohne jegliche erfolgsbezogene Partizipation leer ausging.

Patriarch Classic Dividende 4 Plus (WKN: HAFX6R): Hier können wir die Fondserläuterung kurzhalten, da exakt dieselben Regelungen, wie beim Patriarch Classic TSI für das Thema Performancefee auch bei diesem Fonds hinterlegt sind. Einziger Unterschied ist die Ausschüttung von 4% jährlich (quartalsweise à 1%) beim Patriarch-Dividendenfonds, im Vergleich zu 2% jährlich einmalig beim TSI-Fonds.

Der Blick auf die Grafik zeigt den „Performanceverlauf“ des Fonds. Hier werden richtigerweise alle erfolgten Auszahlungen hinzugerechnet und man kann gut erkennen, dass das starke Ergebnis im Jahr 2025 oberhalb der High-Water-Mark und der Hurdle-Rate eine Performancefee ausgelöst hat. Würde man sich den reinen „Kursverlauf“ des Fonds anschauen, könnte man dies nicht sofort ablesen. So lag der letzte historische Stichtagshöchststand per Ende 2021 bei einem Kurs von 9,10€ und der Kurs per 31.12.25 lag „optisch“ nur bei 8,68€. In der Zwischenzeit waren aber in Summe gute 1,35€ an gebündelten Ausschüttungen an die Anleger ausgekehrt und vom Kurs abgeschlagen worden, die nun additiv hinzuzuzählen sind. Somit eine klare Sache, dass Performancefee anfällt. In Summe kostete den Anleger die Performancefee in 2025 damit exakt 1,28% Rendite und reduzierte das Nettoergebnis von +16,69% auf +15,41%. Auch hier dasselbe Bild, wie beim TSI-Fonds. Das gute Vorjahr 2024 mit +11,19% ging noch zu 100% ohne Abzug an den Anleger, da für das Fondsmanagement noch aus dem schwachen Jahr 2022 bis zum historischen Höchststand aufzuholen war.

Ein Beispiel ohne Hurdle-Rate 

Bei einem anderen Fonds der Patriarch, dem Patriarch Select Wachstum (WKN: A0JKXX), finden wir ebenfalls eine Performancefeeregelung von 10% zum Stichtag 31.12. eines Jahres vor. Hier wurde allerdings auf eine Hurdle-Rate verzichtet. Die Begründung ist einfach und nachvollziehbar. Beim beliebten Dachfonds reden wir nicht über einen stark schwankenden Aktienfonds, sondern über risikojustiertes Balancedmandat. Die Schwankungen sind niedriger und die Renditeerwartung dafür etwas geringer, sodass es fair ist, wenn das Management vom ersten Euro beim Erreichen eines neuen Höchststandes dabei ist.

Wie wichtig eine solche „Motivationsschraube“ für das Management gerade bei einem vielleicht zunächst eher langweilig wirkenden Fondsmandat ist, zeigt eindrucksvoll die folgende Grafik.

Seit immerhin schon 17 Jahren hechtet der Fonds durch extrem solides Management von Höchststand zu Höchststand. So auch wieder per 31.12.2025. Erneut wurde der gerade erst am 31.12.2024 neu aufgestellte historische Höchststand wieder einmal übertroffen. Dieses Mal zwar nur um 1,75%, daher war die abzuziehende Performancefee auch nur 0,16%. Auf verbleibende 1,59% Nettojahresergebnis. Aber immerhin. Den für ein Mischfondsmandat extrem starken Gewinn aus 2024 (+11,94%) komplett gehalten und noch ausgebaut. Damit Fondsziel wieder einmal erreicht. Was will man als Kunde mehr?

Es muss doch auch ohne Performancefee gehen

Wer trotz aller aufgezeigter Sinnhaftigkeit von heutigen fairen Performancefeeregelungen dennoch eine Lösung komplett ohne Erfolgsbeteiligung wünscht, wird natürlich ebenso in der Patriarch-Fondspalette fündig.

Hier ist ein anderes Balanced-Fondsmandat, der Patriarch Vermögensmanagement (WKN: A0EQ04), hervorzuheben. Der für eine Stiftung kreierte, aber für Jedermann offene Fonds, fährt seinen seit 1.4.2023 aufgesetzten Managementansatz völlig ohne Performancefee und ist trotzdem sehr erfolgreich unterwegs, wie die Grafik per Stand 31.1.2026 zeigt.

Auch ohne Performancefee konnte das Fondsmanagement gerade seinen historischen Höchststand seit Managementübernahme vor fast 3 Jahren erzielen. Und 7,25% p.a. netto, davon 4% jährlich ausgeschüttet, können sich auch bestimmt gut sehen lassen.

Definitiv kein Ausschlusskriterium

Wie unser Streifzug durch die Patriarch-Fondswelt zeigt, führen viele Wege erfolgreich ans Ziel. Mal mit Performancefee, mal ohne. Am Ende entscheidet eh die generelle Fondsqualität, denn Performancefee kommt heutzutage wirklich nur im historischen Erfolgsfall zum Tragen. Und genau dieser Fall ist ja auch absolut im Sinne des Investors. Der dann entstehende Effekt ist von der dargestellten Relation mit Sicherheit als Anleger auch gut verschmerzbar. Somit bleibt festzuhalten, dass Fonds mit Performancefee heutzutage definitiv kein Ausschlusskriterium darstellen. Eher ganz im Gegenteil. Man muss die komplizierten Regelungen einfach nur einmal verstanden haben. Dazu hoffen wir mit dieser Analyse unseren Teil beigetragen zu haben.