Währungshedging bei Fondsanlagen

Eine Praxisbetrachtung anhand von beispielhaften Fondslösungen

Wenn am Ende des Jahres ein finales Fondsergebnis zu Buche steht, haben stets viele kleine Faktoren zum Endresultat beigetragen. Eine dieser Komponenten stellt auch Jahr für Jahr der Währungseffekt dar, wenn der betroffene Fonds Investments außerhalb der Eurozone enthält. Über diesen Sachverhalt kann sich die Fondsperformance dann verständlicherweise verbessern, oder auch verschlechtern.

Zwei Möglichkeiten stehen im Raum

Wie geht man als Fondshaus bzw. Fondsmanager nun damit um? Denn grundsätzlich sind ja zwei Optionen gegeben. Entweder man nimmt den Währungseffekt, ob positiv oder negativ, als gegeben hin – dann spricht man vom „free flow“ der Währung. Oder man möchte beim Ergebnis unbeeinflusst bzw. neutral vom Währungseffekt sein und sichert die betroffene(n) Währung(en) via Option(en) ab – die Experten sprechen hier vom „Hedging“. Doch was davon ist nun sinnvoll und empfehlenswert?

Das Jahr 2025 sorgte über die deutliche Dollarabwertung für Diskussionsbedarf

Während der Währungseffekt in vielen Jahren, da oft nur marginal, eher wenig für Gesprächsbedarf sorgt, lieferte das letzte Jahr genau das gegenteilige Bild. Insbesondere über die extreme Dollarabwertung gegenüber dem Euro, wie die nachfolgende Grafik per Stichtag 31.1.2026 zeigt.

Knapp 13% Wertverlust in gerade einmal 13 Monaten taten allen ungesicherten Dollarkomponenten in jedwedem Fonds enorm weh und offenbarten ein beinahe schon vergessenes Risiko für einen von der Währungsseite her ungesicherten Fonds. Warum beinahe vergessen? Weil über lange Sicht beim Verhältnis Euro/Dollar meist eher der gegenteilige Fall, also Performancerückenwind über einen steigenden Dollar, der Fall war. Beweis gefällig? Schauen wir uns einmal das Austauschverhältnis der beiden Währungen über einen langen Zeitraum von 14,5 Jahren von Beginn 2008 bis Mitte 2022 an (Grafik 2).

Dort erkennt man einen permanenten Wertverlust des Euro von in Summe gut 45% oder schleichend knapp 3% p.a., die einem währungsseitig ungesicherten Fonds mit beinhalteter Dollarkomponente eine willkommene und recht konstante jährliche Zusatzperformance erbrachte. In den 2,5 Jahren vor 2025 folgte dann zunächst eher eine Seitwärtsphase bei der Währungsparität, bevor der große Währungsabsturz zu Beginn 2025 einsetzte.

Die Auswirkungen innerhalb von Fonds mit nur einer Anteilstranche

Nun haben die Kunden aber i.d.R. keine reinen Dollar-Währungskonten, sondern Investmentfonds mit beinhalteten Dollarkomponenten. Wie wirken sich solche Währungseffekte nun also konkret auf Fondsanlagen aus?

Dazu ist zunächst die Fondsphilosophie entscheidend. Einige Anbieter offerieren nämlich nur eine erhältliche Tranche für Investoren, und damit wird den Anlegern die Ausrichtung zum Währungsrisiko bzw. -chance vom Fondsmanagement ohne Wahlrecht direkt bei Kauf vorgegeben.

Ein solcher Fall sind beispielsweise die beiden Fonds Patriarch Classic TSI (WKN: HAFX6Q) und Patriarch Classic Dividende 4 Plus (WKN: HAFX6R).  Beide Fonds offerieren nur eine Tranche, die währungstechnisch ungesichert agiert. Beide Fonds halten immer in etwa 50% ihrer Anlagen in amerikanischen Aktien, also in US-Dollar. Dies war in 2025, wie schon aufgezeigt kontraproduktiv, und schmälerte darüber das gute Ergebnis beider Fonds (jeweils +15% für 2025). Ohne die negative und ungesicherte Währungskomponente hätte das Ergebnis beider Fonds noch erfreulicher und eindeutig oberhalb von +20% für 2025 gelegen. Ein Effekt, den das Fondsmanagement aber bewusst hinnimmt, da die Dollarkomponente in vielen Vorjahren dafür auch andererseits oft eine positive Zusatzperformance erbrachte.

Andere Fondshäuser überlassen dem Berater bzw. Kunden die Wahl

Ein anderes System wählen häufig größere Fondshäuser, indem diese verschiedene Anteilsklassen zu einem Fonds auflegen, die sich beispielsweise im vorhandenen, oder nicht vorhandenen, Währungshedging innerhalb des Fonds unterscheiden. Hier liegt dann die Wahl des favorisierten Weges beim Kunden.

Ein Praxisbeispiel von der Aktienfondsseite

Schauen wir uns auch hier ein Beispiel an. Wir haben uns dazu des 4 Mrd. € großen internationalen Aktien-Flagschifffonds aus dem Hause Mediolanum International Funds, dem Mediolanum Best Brands Morgan Stanley Global Selection (WKN: A0NJYZ) bedient, und in seiner gehedgten und ungehedgten Variante gegenübergestellt. Das Dollargewicht im Fonds dürfte aufgrund seiner internationalen Ausrichtung (gemessen am weltweiten Aktienindex MSCI World) über die Jahre stets so um die 65% des Fondsvolumens ausgemacht haben.

Nun haben wir uns zunächst den identischen zuvor aufgezeigten dollarbegünstigten 14,5 Jahreszeitraum in der Gegenüberstellung in der Grafik 3 angeschaut.

Dass das Ergebnis in diesem Zeitraum zugunsten der ungehedgten Variante ausfällt, ist nach den Vorausführungen keine Überraschung. Aber die Höhe des Effektes ist doch überraschend. Wir erinnern uns – der reine Währungseffekt (Grafik 2) lag bei 45% Mehrwert. Zwischen den beiden Fondsvarianten liegt der Mehrwert des Gesamtzuwachses (inkl. Zinseszinseffekt) über die 14,5 Jahre zugunsten der ungehedgten Variante liegt sogar bei 70%!

Wer nun jedoch denkt, dass damit die Frage bereits klar beantwortet sei und dies ja wohl eine eindeutige Entscheidung ist, der sollte sich unbedingt auch Grafik 4 anschauen.

Denn hier haben wir uns mal den letzten 13 Monaten für unseren Vergleich gewidmet. Dem Zeitraum des starken Dollarverfalls. Und nun kippt das betrachtete Bild doch deutlich. Die Performance fällt nun mit knapp 8,5% plus zugunsten der gehedgten Variante aus! Und nicht nur das. Das Jahresergebnis des Fonds kippt sogar von deutlich positiv, über die Währung ins Negative.

Wie entscheiden sich Kunden und Berater?

Da dies kein einheitliches Bild liefert, hat uns interessiert, wie sich Kunden und Berater entscheiden. Dies ist gut ablesbar am Fondsvolumen in den jeweiligen Tranchen. Von den gut 4 Mrd. € Fondsvolumen im betrachteten Fonds, liegen knapp 3 Mrd.€ in den beiden ungehedgten Anteilsklassen (ausschüttend und thesaurierend). Heißt also 75% der Berater und Kunden, haben sich aus freien Stücken für die ungehedgte Variante entschieden.      

Außerhalb von Aktienfonds spielt der Effekt doch keine Rolle, oder?

Wenden wir uns noch einem interessanten Aspekt zu. Denn außerhalb von Aktienfonds wird dem Währungseffekt vermeintlich oft weniger Beachtung geschenkt. Ein fataler Irrtum, wie sich nachfolgend zeigt.

Dazu nochmal ein Beispiel aus der Fondswelt des europäischen Fondshaus Mediolanum International Funds. Dieses Mal von der Rentenfondsseite. Dafür haben wir uns den langjährig bewährten und beliebten Mediolanum Best Brands Global High Yield (WKN: 157006) zur Analyse ausgewählt. Der über 3 Mrd.€ schwere Hochzinsanleihenfonds investiert über die Jahre immer rund 85% seines Volumens in US-Dollar Titel. Somit ist er ein perfektes Beispiel, wie sich der Währungseffekt auf einen Rentenfonds (also einen reinen Zinsfonds) auswirken kann.

Bei der analogen Betrachtung des Verlaufes in der positiven Dollarperiode von 2008 – Mitte 2022 sieht man auch hier in der Gegenüberstellung der währungsgesicherten und -ungesicherten Anteilsklassen einen enormen Unterschied (Grafik 5).

Wofür uns dieser Vergleich (vermutlich sehr überraschend für viele) verblüffend die Augen öffnet, ist dass, da die durchschnittliche Jahresrendite eines Rentenfonds deutlich geringer ist wie die eines Aktienfonds, dadurch der Währungseffekt bei einem Rentenfonds sogar noch um ein Vielfaches stärker ins Gewicht fällt!

So liegt die durchschnittliche Jahresrendite der ungehedgten Fondsvariante über die 14,5 Jahre Dollarhausse 150% höher. Beim Gesamtergebnis inkl. Zinseszinseffekt liegen wir sogar beim Dreifachen Ergebnis! Beinahe unglaublich, oder?

Wenn der Wind sich dreht

Nun dürfte es mittlerweile keinen Leser mehr überraschen, dass der Effekt aber ebenso deutlich ins Gegenteil umschlägt, wenn die Währung, wie in 2025, an Wert verliert (Grafik 6).

So verlor die von der Währungsseite her ungesicherte Fondsvariante nun aber auch deutliche 9,5% in den jüngsten 13 Monaten in Relation zur gehedgten Version und landete sogar mit gut 6% netto im Minus in einem ansonsten eher ruhigen Aktien- und Rentenjahr. Für einen Fonds ohne Aktienexposure schon ein wirklich unerfreuliches und unerwartetes Jahresergebnis, welches ausschließlich von der Währungsseite verursacht wurde.

Kundenvotum eher uneinheitlich

Auch hier interessiert uns natürlich, welche Variante im Rentenfondssegment Berater und Kunden bevorzugen. Anders als beim vorher betrachteten Aktienfonds, sind die knapp 3,4 Mrd. € des Mediolanum Best Brands Global High Yield nahezu exakt hälftig über die gesicherte und ungesicherte Fondsvariante verteilt. Während die Tendenz beim Aktienfonds klar Richtung „free floating“ der Währung ging, so sind sich beim Rentenfonds die Marktprotagonisten offensichtlich uneinig, ob ein Hedging nicht vielleicht doch Sinn macht.

Unbestritten wichtige Komponente

Auch wir können Ihnen natürlich nicht abschließend abnehmen, wie sie sich zum Thema Währungsrisiko bzw. Währungschance zukünftig als Kunde positionieren werden. Abgesichert, oder ungesichert. Und auch wir wissen natürlich nicht, ob beispielsweise der zuletzt vollzogene US-Dollarverfall nur ein temporäres Phänomen war, welches schnell wieder in die zuvor häufig vorherrschende Gegenrichtung zurückdreht, oder wir eher erst der Anfang eines längeren Abwärtstrends sehen.

Eines zeigt unsere Betrachtung aber sehr eindringlich: Wer meint sich leisten zu können, bei der eigenen Depotpositionierung mit diesem Aspekt nicht befassen zu müssen, geht vermutlich den größten Fehler von allen ein!